Deutsch English Francais

 

"Me And My Red Dress" -  
"Mein rotes Kleid und ich"

Das Mädchen im roten Kleid

Lili, die Frau von Ted Baehr, vermittelte mir als Zimmerkollegin eine liebenswerte ältere Dame namens Charlotte Hale. Sie war auch Bestseller Autorin.
Und so hat sie mich wahr genommen  ...

 „Ich machte Bekanntschaft mit dem entzückenden roten Ballkleid, noch bevor ich seine Besitzerin kennen lernte. Jutta Renz und ich hatten vereinbart ein Zimmer in einem glanzvollen Hollywood Hotel zu teilen, in dem es nur noch so „wimmelte“ von Filmstars, Musikern, Autoren, Drehbuchautoren, Produzenten und allen erdenklichen Aspekten des Hollywood Lebens.

Es erwartete uns die Gala mit dem „roten Teppich“, eine Dinner-Party mit etwa tausend Sitzplätzen, und Entertainment vom Feinsten, mit bekannten Musikern, Komödianten und Leuten aus der Filmbranche.
Ich wusste, dass Frau Renz 2,3 Millionen Bücher in ihrem Heimatland, Deutschland, verkauft hatte, ein Musical schrieb, in einem Filmwettbewerb involviert war und dass sie die Muffins in den deutschsprachigen Raum eingeführt hatte.

Als ich mir den Stoff und die perfekte Verarbeitung des wohl märchenhaft anmutendsten roten Kleides, das man sich vorstellen kann, ansah, dachte ich mir, dass sie eine imposante Erscheinung sein müsse.
Als ich gerade alles ausgepackt hatte, stürmte meine Mitbewohnerin herein, um mich zu begrüßen; sogleich umarmte sie mich und bot mir wohl schmeckende Tofu-Würstchen mit Käse an, welche sie irgendwo im Herzen von Hollywood aufgetrieben hatte.

Als sie so in Jeans und Turnschuhen daher kam, und jung genug aussah, um meine Enkelin sein zu können, hatte ich mich ernsthaft gefragt, ob wir überhaupt einen gemeinsamen Gesprächsstoff finden würden?
Während der ersten zwei Tage habe wir uns nur sporadisch getroffen, und da ich „back stage“ (hinter den Kulissen) arbeitete, konnte ich hin und wieder Szenen erhaschen, in welchen Jutta umgeben war von freundlichen, interessierten Leuten, die ihr Fragen stellten und sich Notizen machten.

Später, als sie mir die Visitenkarten von Schauspielern, Verlegern und Drehbuchautoren zeigte, die ihr Ratschläge gaben, fragte sie mich, ob ich Näheres dazu wüsste? Es war die aller erste Annäherung dieser jungen Lady an Hollywood, und sie warf ihre ganze Leidenschaft hier hinein.

Mit ihrem Script gewann sie zwar keinen Preis, aber dafür das Interesse der Juroren, die auch gerne bereit waren ihr mit Ratschlägen und Folgekontakten zu helfen.

„Träume nicht dein Leben, lebe Deine Träume“

Das war Jutta´s Motto. Sie glaubt so sehr an ihr Musical, das sie schrieb, dass sie sogar dafür bereit ist um die halbe Welt zu fliegen, um seinen Erfolg zu verwirklichen. Wie interessant, dass sei einem solchen Traum folgte, der für mich weit hergeholt schien. Aber da kannte ich Jutta noch nicht.

Als drittes Kind aufgezogen, innerhalb einer hart arbeitenden Unternehmerfamilie von Bernhard und Margot Renz, wuchs Jutta in eine Familie hinein, welche die Werte von aktiver Intelligenz, Gründlichkeit und Beharrlichkeit wiederspiegelten.
Sie ehrte und bewunderte ihre Eltern für den Aufbau eines Unternehmens in der Baubranche, das florierte und erfuhr, wie man mit Herausforderungen und Gelegenheiten in dieser Branche umgeht. Sie erbte einen starken Geschäftssinn und wuchs mit dem Handwerkszeug heran, mit welchem man Erfolg zu Tage fördert.

Ganz offensichtlich – diese junge Frau war nicht nur eine Träumerin, sondern sie wusste auch hart zu arbeiten. Dies beobachtete ich mit Aufmerksamkeit.
Nicht jeder hat die Gabe, den Stoff für einen Musicalfilm zu liefern.

Jutta Renz examinierte im Fach Musik am Briercrest Bible College in Regina, Kanada, wo sie in Bühnenproduktionen führende Rollen sang. Ihre Rezensionen waren gut, denn sie hatte ebensoviel Spaß an den Produktionen wie am Singen.
Es war in Kanada, wo sie die Muffins als leckeren Ersatz zum herzhaften dunklen Kornbrot für sich entdeckte.
Zu diesem Zeitpunkt waren in Deutschland diese gesunden, kleinen Leckerbissen noch nicht in Mode, und die junge Jutta erkannte diese Marktlücke.

Bald darauf demonstrierte sie auf der Bühne und im Fernsehen einfache, schnelle Vorgehensweisen, um Muffins selber herzustellen; und in ganz Deutschland stieg daher die Nachfrage nach Muffinsbackbüchern. Diese wunderschön gestalteten Bücher mit ihren verführerischen Bildern, vom Kaffeekränzchen bis hin zu habhaften Leckerbissen, hatten schon bald den Menschen etwas Neues beschert, und Jutta, ständig neue Rezepte kreierend, schrieb einen Bestseller nach dem anderen.

In der Folge wurde Jutta Renz in ganz Deutschland bekannt als „Miss Muffin“ und erschien in vielen Talkshows und Kochsendungen, auch in den Nachbarländern. Sie hatte die Marke „Miss Muffin“ mit allen dazugehörigen Produkten weltweit schützen lassen.

Ihr Musical war, wie der ganze Rest ihres Erfolges, der natürliche Spross ihrer Schaffenskraft und sie hatte vollstes Vertrauen, dass ihre Vision sich erfüllen wird.
Ich konnte auch sehen warum.
Ihre Persönlichkeit war natürlich, aufrichtig und charmant. Sie ist an Menschen interessiert und hat Freude daran, interessante Personen untereinander zu verknüpfen. Es erhebt sie, wenn daraus für andere ein Vorteil ensteht.

In der Gala Nacht sah ich Jutta hinter den Kulissen in ihrem roten Abendkleid, Hollywood Haarstil und Make up. Sie stand ruhig da, als drei Frauen von Produzenten damit beschäftigt waren, jede einzelne Falte des roten Kleides in Position zu bringen. Jutta war weder nervös noch aufgeregt, wie etwa die schönen jungen Moderatorinnen, die die Filmstars und Sprecher zur Bühne zu begleiten hatten. Sie fühlte sich genau so wohl als wäre sie in Jeans und Turnschuhen.
Ich schaute ihr nach als sie sich in die Empfangshalle begab. Eine Menge von wichtig darein schauenden Individuen in schwarzen Anzügen beobachteten sie genau während sie sich feierlich dem roten Teppich näherte. Sie vermittelte den Eindruck als täte sie dies jeden Tag. Mit elegantem Schritt und lieblichem Lächeln fing sie das Wohlwollen der Leute ein.
Fehlte nur noch, dass der Rosenkavalier auf sie zu kam, sich verbeugte, ihre Hand nahm, und sie zur einem Strauss-Walzer führte. Statt dessen aber betrat sie den Ballsaal und fand den ihr zugedachten Platz beim Dinner unter Tausend anderen geladenen Gästen. Wie es der „Zufall“ wollte, saßen wir zusammen.

Da waren bemerkenswerte Filmemacher von Europa, Kanada, Asien und den Vereinigten Staaten. Zu meiner Rechten saß ein wunderbares Paar aus Ostdeutschland, die einen wichtigen Film produziert hatten, von dem ich hoffte, dass er einen Preis bekommen würde.

Zu Jutta´s Linken saß ein missmutiger junger Kritiker von den Los Angeles Times, der von diesem Abend offensichtlich nicht sehr begeistert war. Als er Jutta zu verstehen gab, dass er ein atheistischer Jude sei, erklärte sie ihm ganz charmant, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit sei: Gottes erwählte Volk kennt keine Atheisten, lies sie ihn wissen.
So setzten sie ihren Dialog fort, und die meisten seiner Bemerkungen dazu waren eher abwertend. Wir speisten in vielschichtiger Sinnespracht, da wir gleichzeitig Filmclips sahen, Ankündigungen hörten und große Preisverleihe von aufstrebenden, sowie bereits von allerseits bewunderten Filmemachern miterlebten.

Es schien wie eine andere Welt und Jutta war damit beschäftigt jeden Atemzug diese Spektakels in sich aufzunehmen.
Während der Party, die dann darauf folgte, konnte ich Leute sehen, die auf sie zu kamen, sich mit ihr einige Minuten austauschten, und ich konnte beobachten, wie sie durch den gefüllten Saal schwebte, gleichsam einer leuchtend roten Mohnblume, die sich vom dunklen Untergrund kontrastreich abhob.
Sie war ein schillernder Lichtpunkt innerhalb eines eher blassen und künstlich intellektuellen Publikums.

An diesem Abend erklärt sie mir, dass ihr dieses Wochenende wie eine Lebenslektion erschien, die ihr von aller Art hochprofessioneller Leute erteilt wurde.
Sie schaute durch all ihre Visitenkarten und bemerkte: „Mr. und Mrs. Canfield liebten mein rotes Kleid und waren so nett zu mir. Er sagte, er würde Bücher herausgeben.“
„Ooooh, in der Tat! Er hat Millionen von Büchern verkauft“, erklärte ich ihr, „angefangen mit: Hühnersuppe für die Seele“.

Am nächsten Morgen, wie alle anderen im Showgeschäft, holten wir uns eine Zeitung. Unser Event wurde ausführlich beschrieben, aber in einem Absatz stach hervor:
Der glühende Tribut geht an „Miss Muffin“.

Übersetzung aus dem Englischen: Rodrigo de Foullon (www.rodrigo-de-foullon.de)
Wenngleich die Flucht aus dem Traum in reale Gefilde an diesem Wochenende nur kurzweilig war, so hatte Jutta die Früchte für ihre harte Arbeit nachhaltig resümiert.
Sie mag eine Träumerin sein, aber Jutta Renz ist eine Frau des Glaubens und sie weiß, wie sie ihren Glauben sehend macht.

Mit großer Erwartung sehe ich der Einführung zu Miss Muffin´s erstem animierten Musicalfilm entgegen. Ich sehe, wie es an den großen Theatern der Welt präsentiert wird, und Miss Muffin dort selbst von Zeit zu Zeit auf der Bühne erscheint. Ich werde sie bei einer Premiere in Stuttgart oder London treffen, und zusammen werden wir uns auf den Gedanken konzentrieren, wie man in einem Traum die Zukunft in das Jetzt und Heute webt.
Zu aller erst, natürlich, sollte ich mir ein magisch rotes Kleid erstehen.“

Übersetzung aus dem Englischen: Rodrigo de Foullon (www.rodrigo-de-foullon.de)



Charlotte Hale (Bestseller-Autorin, USA)